Meldung vom 18.09.2014

twenty.twenty#20: Mobilize / Get Mobilized

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Kathleen Ziemann, Kulturwissenschaftlerin und Trendforscherin beim betterplace lab, stellte in ihrer Keynote zum Thema „Mobilize / Get Mobilized“ einige Kampagnen vor, anhand derer sie die Mechanismen analysierte, die bei digitalen Mobilisierungsversuchen wirken. Humor und Satire sind gerade im Netz beliebte Vehikel, wenn es darum geht, Bewusstsein für Themen zu schaffen und damit die erste Sprosse auf der „Ladder of Engagement“ zu nehmen. Als ein Beispiel nannte sie die Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“, das mit einer fingierten Soforthilfeaktion der deutschen Bundesregierung für Kinder aus dem Kriegsgebiet in Syrien auf deren dramatische Situation aufmerksam machte.

Emotionen hervorrufen
„Im Endeffekt geht es bei Kampagnen darum, Gefühle zu transportieren, denn daraus erst können Taten entstehen.“ Dieser Tweet eines Besuchers fasste zusammen, was gestern diskutiert wurde. Ob Satire oder Storytelling: Kampagnen müssen Menschen auf einer emotionalen Ebene erreichen. Die Medienwissenschaftlerin Jana Herwig führte weiter aus, dass es klare und einfache Handlungsanweisungen braucht, um Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Wenn es dann auch noch Spaß macht und Raum für Selbstdarstellung bietet, kann eine Kampagne funktionieren.

Eigendynamik zulassen
Wo sich Menschen in Aktivitäten einbringen sollen, muss auch genügend Freiraum für sie da sein. Kampagnen entwickeln eine Eigendynamik und ihre Initiatoren sollten sich darauf einstellen, auch loslassen zu können. Anschlussfähige Aktionen werden daher iterativ und im Dialog mit jenen weiterentwickelt, die sich daran beteiligen. Die Initiatoren müssen also zu einem gewissen Grad selbst „Labor“ werden, wie es Jana Herwig formulierte. Gerald Czech, Leiter New Media beim Österreichischen Roten Kreuz, konnte das aus seiner praktischen Erfahrung bestätigen. Campaigner sollten sich nicht der „Steuerungsillusion“ hingeben.

Ohne „Old Media“ geht’s trotzdem (noch) nicht. Die meisten Online-Kampagnen zielen nach wie vor auf Präsenz in den traditionellen Medien ab. Nikolaus Koller, Leiter des Instituts für Journalismus & Medienmanagement an der FH Wien der WKW, betonte, dass es durch den niederschwelligen Zugang zu Kommunikationsmitteln deutlich einfacher ist, diesen Schritt zu machen. Letztlich sei es aber nicht die mediale Berichterstattung, die als Messkriterium für den Kampagnenerfolg herangezogen werden sollen, sondern das, was tatsächlich getan wird. Dies zu messen ist eine schwierige Aufgabe. Am Ende solle jedenfalls mehr übrig bleiben als Facebook-Likes.

Auf http://www.twentytwenty.at finden sich weitere Infos zum Thema, eine Videoaufzeichnung sowie Fotos der Veranstaltung.

Mehr Infos zum betterplace lab unter: http://www.betterplace-lab.org/

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Mag. Livia Dandrea-Böhm
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