Meldung vom 14.02.2013
Der intensive Preiswettbewerb und die schnellen Innovationszyklen in der Elektronikbranche werden oft ins Treffen geführt, wenn es darum geht, den Status quo bei den Produktionsbedingungen von Smartphones und anderen Gadgets zu verteidigen. Und der ist vielfach geprägt von sozial und ökologisch bedenklichen Umständen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das beginnt beim Abbau der Rohstoffe, geht über die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten und endet bei mangelhaften Reparatur- und Recyclingmöglichkeiten. Die Initiative FairPhone aus den Niederlanden will zeigen, dass es auch anders geht. Bis Ende 2013 will FairPhone 10.000 Smartphones auf den Markt bringen, die unter nachhaltigen ökologischen und sozialen Bedingungen produziert wurden. Joe Mier, Community Manager von FairPhone, betonte in seiner Keynote, dass es sich bei den ersten Modellen noch um „fair-er“ Phones handeln wird. Man werde nicht alle Hindernisse ausräumen können. Allerdings könne man mit der Initiative zeigen, dass große Optimierungsschritte möglich sind.
Jedes Produkt hat eine Geschichte
Bei FairPhone geht es nicht nur um die Entwicklung eines Produktes, sondern auch um das Erzählen von Geschichten. Geschichten können Konsumenten und auch Hersteller zum Umdenken bewegen. Die Erzählungen sollen eine simple Formel transportieren: „Consuming = political act“, so Mier. Auch für Daniela Zimmer, Konsumentenschutzexpertin der Arbeiterkammer Wien, ist es die Kommunikation, bei der angesetzt werden muss: „Das Marketing hat eine Benutzergeneration geprägt, die Smartphones als Produkte mit Verfallsdatum betrachten. Oft werden die Geräte schon vor Ablauf der Mindestvertragsdauer gegen neue ausgetauscht“.
Von den Großeltern lernen
Die Künstlerin und Hardware-Hackerin Lale Rodgarkia-Dara erinnerte daran, dass die Menschen früher selbst in der Lage waren, elektronische Geräte wie etwa Radios zu reparieren. Heute gibt es nur mehr sehr eingeschränkte Möglichkeiten, Gadgets selbst zu zerlegen oder Ersatzeile auszutauschen. „Die Produzenten versuchen mit ihrer Hardware, die Menschen von Wissen abzuhalten. Dabei hat Wissen noch niemandem geschadet“. Offene Hard- und Software sind für Rodgarkia-Dara eine wichtige Grundlage für technologischen Fortschritt und natürlich auch für künstlerische Beschäftigung mit den Geräten.
An vielen Hebeln ansetzen
Johannes Naimer, Projektleiter der WWF CLIMATE GROUP, listete viele Hebel auf, an denen angesetzt werden muss, um die Situation zu verbessern. Im Zentrum steht für ihn die Kostenwahrheit: „Ökologische und soziale Auswirkungen bei Rohstoffgewinnung, Produktion und Transport werden nicht in die Produktpreise miteingerechnet. Diese Folgekosten müssen aber dennoch bezahlt werden“. Produzenten sollten ihre Produkte so designen, dass diese Folgekosten möglichst gering gehalten werden.
Fairness als Mehrwert
Bis zu einem gewissen Grad sind Menschen durchaus bereit, mehr für faire Produkte zu bezahlen. Eine Umfrage in der twenty.twenty Community kann dafür als Indikator dienen: Etwa 40 % der Teilnehmer (insgesamt 69) würden einen 30 % höheren Kaufpreis für Gadgets akzeptieren, die unter fairen ökologischen und sozialen Bedingungen produziert wurden. Dafür braucht es aber entsprechendes Marketing für Fairness als Mehrwert.
Die Beiträge zur twenty.twenty Blogparade und die Videoaufzeichnung sowie Fotos der Veranstaltung sind auf http://www.twentytwenty.at zu finden.
Links
FairPhone: http://www.fairphone.com
Miss Balthazar’s Laboratory: http://www.mzbaltazarslaboratory.org/
Arbeiterkammer Wien: http://wien.arbeiterkammer.at/
WWF Österreich:http://www.wwf.at/ bzw. WWF CLIMATE GROUP: http://www.climategroup.at